Informationsplattform

Antidiskriminierung

Antidiskriminierung

„Diskriminierung ist eine grobe Verletzung der Menschenrechte. Diskriminierte Menschen werden aufgrund individueller oder gruppenspezifischer Merkmale systematisch an der Ausübung ihrer Menschenrechte gehindert.“ (Quelle: Amnesty International Schweiz)

Das Recht auf Nicht-Diskriminierung

Es gibt zahlreiche Gesetze, Rechtsnormen und Übereinkünfte auf nationaler und internationaler Ebene, die sich mit dem Verbot der Diskriminierung auseinandersetzen.

In Deutschland wurde im Jahr 2006 mit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz eine rechtliche Grundlage geschaffen. Das Gesetz verfolgt das Ziel, rassistische Diskriminierungen oder jene, die wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität erfolgen zu verhindern bzw. zu beseitigen (§ 1 des AGG). Das AGG regelt die Ansprüche und Rechtsfolgen bei Diskriminierungen sowohl für das Arbeitsleben, als auch für das Zivilrecht.

Neben dem AGG befassen sich beispielsweise auch einzelne Artikel und Paragraphen im Grundgesetz und den Sozialgesetzbüchern mit dem Verbot von Diskriminierung. Auf europäischer Ebene zählt hierzu zum Beispiel die Europäische Menschenrechtskonvention und die Charta der Grundrechte der Europäischen Union.

Nach dem Inkrafttreten des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) wurde die Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) eingerichtet. Die ADS ist eine unabhängige Anlaufstelle für Menschen, die von Diskriminierung betroffen sind. Im Jahr 2017 hat die ADS die bisher größte Studie zu Diskriminierungserfahrungen in Deutschland veröffentlicht. Es haben mehr als 18.000 Personen daran teilgenommen und von Ihren Erfahrungen berichtet. Wer erlebt Diskriminierung? Welche Auswirkungen haben solche Erfahrungen? Was muss sich ändern, damit Menschen besser vor Benachteiligung geschützt werden? Der umfassende Bericht zur Großumfrage „Diskriminierung in Deutschland“ gibt darauf Antworten.

Auch für das Förderprogramm IQ ist das Thema Antidiskriminierung ein zentrales Thema. Die Publikation „Für Vielfalt. Gegen Diskriminierung. Selbstverständnis des Förderprogramms IQ über Antidiskriminierung“ dient dazu, sich innerhalb des IQ Förderprogramms auf eine gemeinsame Haltung und Praxis von Antidiskriminierung zu verständigen.

↑ Zurück nach oben

Antidiskriminierung und Arbeitsmarkt

Innerhalb der Bereiche, in denen Personen diskriminiert werden, nimmt die Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt, bei der durch das AGG die Möglichkeit zum Vorgehen dagegen gegeben wird, einen großen Anteil ein. Vor allem ältere Arbeitssuchende, Menschen mit Migrationshintergrund oder Frauen mit Kindern werden im Bewerbungsverfahren oft benachteiligt. Auch wenn der Zugang zu einem Job hergestellt ist, unterscheiden sich dann häufig Aufstiegschancen und die Bezahlung (s.u.).

Eine Studie der EU-Grundrechteagentur, die europaweit 25.000 Personen mit Migrationshintergrund befragt hat, zeigt, wie relevant das Thema ist. In der Studie gaben 38 % der Befragten an, in den letzten fünf Jahren Opfer von Diskriminierung geworden zu sein, am häufigsten (40 %) kam es dabei zu Diskriminierungen bei der Arbeitssuche.

Wie auch in der Studie des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Migration und Integration beschrieben, haben die Bereiche Arbeit und Bildung einen der größten Einflüsse auf Teilhabechancen an der Gesellschaft. Diskriminierung in diesen Bereichen haben daher massive Auswirkungen auf die Lebensqualität der betroffenen Menschen. Mit Diskriminierungsrisiken und Diskriminierungsschutz im Bereich Arbeitsvermittlung beschäftigt sich u.a. ein Bericht der ADS.

Nach guten Erfahrungen aus dem Ausland, hat die ADS auch in Deutschland ein 12-monatiges Pilotprojekt durchgeführt, in dem anonymisierte Bewerbungen getestet wurden. Aus den Erfahrungen wurde ein Leitfaden für Arbeitgeber entwickelt. Mit diesem Verfahren sollen vorschnelle Rückschlüsse und Vorurteile gegenüber einzelnen Merkmalen der Bewerbenden vermieden werden. Somit liegt der Fokus auf der Qualifikation und Berufserfahrungen der Person. Die Auswahl wird hierdurch objektiver.

↑ Zurück nach oben

Antidiskriminierung und Geschlecht/Gender

Ein großes Thema in Bezug auf Antidiskriminierung und Geschlecht/ Gender ist auch die ungleiche Bezahlung auf dem Arbeitsmarkt. Im Jahr 2018 lag die Lohnlücke noch bei 21 %. Die ADS ist unter dem Titel „Gleiche Arbeit, ungleicher Lohn?“ dieser Fragestellung nachgegangen.

Jährlich macht der Equal Pay Day darauf aufmerksam, bis zu welchem Tag im neuen Jahr Frauen umsonst arbeiten, während Männer seit dem 1. Januar für ihre Arbeit bezahlt werden. Im Jahr 2018 lag dieser Tag auf dem 18. März. Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, betont in einer Pressemitteilung jedoch, dass es „Ungleichbehandlung und Diskriminierung […] aber nicht nur bei der Bezahlung [gibt]. Täglich wenden sich an unsere Beratungsstelle insbesondere Frauen, weil sie im Arbeitsleben benachteiligt werden: Etwa weil sie eine Stelle nicht bekommen, weil sie im ‚gebärfähigen‘ Alter sind. Oder sie stoßen an die ‚gläserne Decke‘, weil ein männlicher Kollege bevorzugt befördert wird.“

Auch in einem weiteren Bereich lässt sich eine ungleiche Behandlung der Geschlechter finden. Die ADS hat eine Studie in Auftrag gegeben, die sich mit Preisdifferenzierungen nach Geschlecht bei Produkten und Dienstleistungen auseinandergesetzt hat. Die Ergebnisse wurden im Dezember 2017 veröffentlicht. Es zeigt sich, dass während es bei Produkten kaum Preisunterschiede nach Geschlecht gibt, Frauen bei Dienstleistungen wie Textilreinigungen oder Frisierangeboten häufig mehr zahlen müssen. Die ausführlichen Ergebnisse finden Sie hier.

↑ Zurück nach oben